
Im Mittelpunkt unserer
Gartenstadt Brasselsberg, da, wo sich die wichtigsten Straßenzüge kreuzen,
liegt auf leicht ansteigendem Gelände, Ecke Gnadenweg und Nordshäuser Straße
der Platz, auf dem unsere Emmaus-Kirche entstehen soll. Für viele alte
und neue Bewohner unseres Bezirkes wird diese Nachricht die Erfüllung eines
lange gehegten Wunsches bedeuten. Schon seit Jahren ist ja das Brasselsberg- und
Kuhberggebiet infolge seiner großen Entfernung von der Stadtmitte und seiner
wachsenden Menschenzahl immer eigenständiger geworden. Auch auf kirchlichem
Gebiet wurde es notwendig, ein eigenes Gemeindeleben zu entwickeln. Für die
Gottesdienste und die zahlreichen Zweige kirchlicher Arbeit hatten wir zunächst
in der "Kulturhalle" in der Wiederholdstraße ein Unterkommen
gefunden. Mit Hilfe dieses Raumes wurde eine neue, selbständige Kirchengemeinde
aufgebaut. Da wir aber unsere Notkirche nicht länger behalten können, zwingt
uns die Notwendigkeit, das zu tun, was vergangene Geschlechter bei ihren
Siedlungsunternehmen als erstes taten: ein Haus zu bauen zur Ehre Gottes. Und
als Menschen der Gegenwart fügen wir hinzu: wir bauen ein Haus, in dem der
Mensch des technischen Zeitalters in der Stille einkehren und aus den
Kraftquellen schöpfen kann, die ebenso wichtig sind, wie die des materiellen
Lebens. Der evangelischen Gemeinde ein Heim, dem ganzen Bezirk aber einen
baulichen Mittelpunkt zu geben, in dem eine engere Zusammengehörigkeit zum
Ausdruck kommt, das ist der Beweggrund unseres Baues, das ist auch der Grund,
warum wir nicht eine Baracke, auch nicht ein Gemeindehaus bauen wollen, sondern
eine Kirche, die bei aller Bescheidenheit und Sparsamkeit die Kennzeichen des
Gotteshauses im Inneren und Äußeren tragen soll.
Den Namen "Emmaus-Kirche" wählte die
Gemeindevertretung im Einvernehmen mit der geistlichen Leitung unserer Kirche.
Das geschichtliche Emmaus ist ein kleiner Ort gewesen, in dem die lebendige
Gegenwart Christi erfahren wurde. Wir halten diesen Namen für ein gutes
Sinnbild dessen, was mit unserer künftigen Kirche gemeint ist. Wir wollen nun
mit diesem Blatt zunächst einmal allen Gemeindegliedern und anteilnehmenden
Mitbürgern veranschaulichen, wie die Kirche nach den von Oberbaurat Krüger
entworfenen und vom Bauausschuß der Gemeinde sowie von den kirchlichen und
städtischen Stellen gutgeheißenen Plänen werden soll.
Die erste Skizze zeigt die Lage des Kirchengrundstückes inmitten der Brasselsberg-Siedlung. Wir sehen, wie der Giebel der Kirche mit dem anschließenden Seitenbau und dem Turm, der im Schnittpunkt mehrerer sich kreuzenden Straßen liegt, den natürlichen Abschluß eines auf solche Weise entstehenden Platzes bildet. Das nächste Bild zeigt die Bebauung des gesamten Grundstückes in ihren Einzelheiten, so wie sie im Endzustand aussehen soll. Im ersten Bauabschnitt wird auf der höchsten Stelle des Geländes die Kirche selbst entstehen mit der nach Südwesten vorgelagerten Eingangshalle, die auf dieser Seite im Bild gezeigt wird. Daran schließt sich später an: ein Anbau mit dem Gemeindesaal, der den einzelnen Arbeitszweigen innerhalb der Gemeinde dient: Bibelarbeitskreis, Chor, Konfirmandenunterricht und andern Gemeindekreisen. Es folgt der Turm mit dem Glockengeläut und an der Nordshäuser Straße der Kindergarten mit Wohnungen für Schwester und Gemeindehelferin. Im nördlichen Teil des Grundstücks endlich soll das Pfarrhaus liegen. Zwischen den Gebäuden entstehen sonnige Gartenräume; die Planung konnte auf die Erhaltung des herrlichen Baumbestandes Rücksicht nehmen. Das Schaubild auf der ersten Seite zeigt die Ansicht von Südosten mit den wichtigsten Gebäuden. Helle Putzflächen, rote Ziegeldächer, Büsche und Bäume verbinden die bewegte Bauanlage zu einer schönen Einheit.
Wenn man durch
die Eingangshalle, die Wartenden Schutz bietet und die in ihrer schlichten
Gestaltung auf den Innenraum vorbereitet, die Kirche selbst betritt, so zeigt
sich das Bild, wie es auf der nächsten Seite
dieses Blattes zu sehen ist. Man betrachte dieses Bild im Zusammenhang mit dem
Grundriß und denke sich das Gestühl hinzu. Der Altarraum, durch drei Stufen
erhöht, sieht nach Osten, wie das in den meisten alten Kirchen des Abendlandes
die Regel ist. Mit den einfachsten Mitteln, allein durch gute Maßverhältnisse
und durch die sinnvolle Wahl von Naturbaustoffen, wird ein Kirchenraum
entstehen, in dem die besondere Bedeutung von Altar, Kanzel und Orgel für den
Gottesdienst sichtbar wird. Ein farbiges Glasfenster an der Altarwand verleiht
dem ganzen Kirchenraum Weihe und Würde. Der Platz des Chores in der Nähe von
Altar und Orgel kommt seiner Teilnahme am liturgischen Geschehen zu Gute. Den
Abschluß des Kirchenraumes nach Westen bildet die Empore, die über der
Eingangshalle liegt.

Das Kirchenschiff hat eine Breite von 12 m und eine Länge von 26 m; das Längenmaß wiederholt sich in der Höhe des Turmes. Der Kirchenraum ist 6 m hoch und wird 300 Sitzplätze haben.
Mit der Bereitstellung der Mittel zunächst für die Kirche selbst als erstem Bauabschnitt dürfen wir nach der Zusage des Gesamtverbandes der evangelischen Kirchengemeinden in Kassel rechnen. Für unser Gemeindeleben ist der geplante Gemeindesaal von großer Wichtigkeit; deshalb ist es unser Bestreben auch den Anbau und den Turm so bald als möglich zu verwirklichen.
Dies zu erreichen bedarf es der tätigen Anteilnahme der Gemeinde und ihres Opfers. Ein Gleiches gilt von dem Teil der Innenausstattung, der über das unbedingt notwendige Maß hinausgeht. Hier sind zu nennen das farbige Fenster, die Orgel und - nach Möglichkeit - eine Glocke.
So rufen wir unsere Gemeindeglieder und sonstigen Freunde auf, zum Bau unserer Kirche ihre Gabe beizusteuern. Wir sind für e i n m a 1 i g e S p e n d e n ebenso dankbar, wie für einen 1 a u f e n d e n monatlichen B e i t r a g. Der beiliegende Kartenvordruck sieht Beides vor. Wir bitten, ihn ausgefüllt an uns. recht bald zurück-zugeben. Die Karte kann mit der Post geschickt oder beim nächsten Gottesdienst, im Pfarrhaus oder bei den Bezirkshelfern abgegeben werden.
Unsere Kirche wird für die Gartenstadt Brasselsberg auch städtebaulich von Bedeutung sein. Wir nehmen deshalb an, daß auch unsere katholischen Mitchristen an unseren Plänen Anteil nehmen und lassen diese Drucksache auch ihnen zugehen, ohne daß für sie damit eine Aufforderung zur Spende verbunden sein soll. Die ganze Gemeinde bitten wir, die Arbeiten an unserer Kirche, die bereits in vollem Gange sind, mit ihrer Fürbitte und Liebe zu begleiten.
Im Namen des Bauausschusses:
Hermann Schwemer, Pfarrer
Zur Feier der Grundsteinlegung
am Sonntag Miserikordias Domini, 27. April, 16 Uhr
ist die gesamte Gemeinde herzlich eingeladen.
Spenden werden auf Wunsch gegen Quittung abgeholt. Überweisungen können auf das Sparkonto Nr. 85070 der Evangelischen Kirchengemeinde Brasselsberg-Kuhberg, Kassel-Wilhelmshöhe, bei der Stadtsparkasse Kassel, Zweigstelle Wilhelmshöhe erfolgen.
Wir möchten darauf aufmerksam machen, daß Spenden im Rahmen der Bestimmungen des Lohn- bzw. Einkommensteuergesetzes steuerbegünstigt sind. Die nötigen Quittungen stellt die Kirchengemeinde auf Wunsch aus.
Satz, Druck und Papier des Gemeindebriefes sind eine Spende des Bärenreiter-Verlages, Kassel-Wilhelmshöhe